Von Excel zur Baustellensoftware: Wann sich der Wechsel im GaLaBau rechnet

Autor: Fabian Wegener · 2026-08-04

GaLaBau-Wissen · Organisation

Von Excel zur Baustellensoftware:
Wann sich der Wechsel rechnet

Excel kostet nichts – auf den ersten Blick. Sobald aber acht bis zehn Leute auf mehreren Baustellen arbeiten, kostet die Tabelle mehr als jede Software. Hier ist die Rechnung, die Warnzeichen und ein Umstellungsplan, der den Betrieb nicht ausbremst.

Warum Excel im GaLaBau so lange funktioniert – und dann plötzlich nicht mehr

Excel ist ehrlich gesagt ein gutes Werkzeug. Es kostet nichts extra, jeder kann es halbwegs, und für zwei Kolonnen reicht eine Tabelle mit Baustellen, Stunden und Material völlig aus. Der Bruch kommt nicht wegen Excel selbst, sondern wegen dreier Effekte, die mit jedem zusätzlichen Mitarbeiter stärker werden:

  • Zeitverzug: Stundenzettel kommen freitags, manchmal Montag, manchmal gar nicht. Bis die Zahlen in der Tabelle stehen, ist die Baustelle fertig – Gegensteuern unmöglich.
  • Übertragungsfehler: Jede Zahl wird zwei- bis dreimal angefasst (Zettel → Tabelle → Rechnung). Realistisch gehen dabei 2–5 % der Stunden verloren.
  • Ein Kopf, eine Datei: Nur einer versteht die Formeln. Fällt der aus, steht die Auswertung.

Was der Wechsel konkret kostet – ein Rechenbeispiel

Nehmen wir einen Betrieb mit 12 Mitarbeitern, davon 9 produktiv, 1.500 produktive Stunden pro Kopf und Jahr, Verrechnungssatz 55 €/h.

PositionAnnahmePro Jahr
Nicht erfasste Stunden3 % von 13.500 h × 55 €rund 22.000 €
Büroaufwand Stundenerfassung4 h/Woche × 45 Wochen × 35 €rund 6.300 €
Vergessene Nachträge2 Nachträge à 1.200 €rund 2.400 €
Summe vermeidbarer Verlusterund 30.000 €

Dem stehen bei einem Festpreismodell rund 1.200 € Softwarekosten im Jahr gegenüber, plus einmalig etwa 15–25 Stunden für Einrichtung und Schulung. Selbst wenn Sie die Annahmen halbieren, trägt sich der Wechsel im ersten Jahr.

Rechnen Sie mit Ihren Zahlen: Produktive Stunden × Verrechnungssatz × 2 % ergibt bereits die untere Grenze dessen, was unvollständige Zeiterfassung Sie kostet. Alles darüber ist Zugabe.

Die vier Zeichen, dass es Zeit für den Wechsel ist

  • Sie erfahren erst bei der Schlussrechnung, ob eine Baustelle profitabel war.
  • Die Einsatzplanung für morgen entsteht abends per Telefon und WhatsApp.
  • Bei Nachträgen fehlt Ihnen der Nachweis, wer wann was gemacht hat.
  • Zwei Personen pflegen dieselben Daten in unterschiedlichen Dateien.

So läuft die Umstellung, ohne den Betrieb lahmzulegen

Woche 1: Stammdaten statt Big Bang

Mitarbeiter, Stundensätze, Maschinen und die zehn häufigsten Leistungspositionen anlegen. Mehr nicht. Wer versucht, zehn Jahre Historie zu migrieren, bricht die Einführung ab.

Woche 2: Eine Kolonne, eine Baustelle

Nur ein Team erfasst Zeiten digital, parallel läuft der Zettel weiter. Nach fünf Tagen vergleichen Sie beide Stände – das schafft Vertrauen in die Zahlen.

Woche 3: Disposition umstellen

Erst wenn die Zeiten sauber laufen, wandert die Einsatzplanung ins System. Jetzt sieht die Kolonne morgens selbst, wo sie hinfährt.

Woche 4: Nachkalkulation scharf schalten

Ab jetzt sehen Sie Soll gegen Ist, während gebaut wird. Das ist der Punkt, an dem der Wechsel Geld verdient statt nur Arbeit zu sparen.

Was Sie aus Excel mitnehmen sollten

Ihre Tabellen enthalten Erfahrungswerte, die Gold wert sind: wie lange Ihre Leute für 100 m² Pflaster brauchen, welcher Aufschlag realistisch ist, welche Kunden spät zahlen. Übertragen Sie genau diese Werte in den Positionskatalog Ihrer neuen Software – dann kalkuliert das System von Tag eins mit Ihrer Realität und nicht mit Branchendurchschnitten.

Häufige Fragen

Können ältere Mitarbeiter damit umgehen?

Wenn die Erfassung mehr als drei Fingertipps braucht, nein. Achten Sie auf große Schaltflächen und eine Ansicht, die nur den heutigen Tag zeigt.

Was passiert mit alten Baustellen?

Laufende Projekte im alten System zu Ende führen, neue Baustellen digital starten. Ein Parallelbetrieb über mehrere Monate ist die häufigste Ursache für gescheiterte Einführungen.

Muss der Steuerberater etwas ändern?

Nur den Übergabeweg. Mit DATEV-Export und E-Rechnung entfällt für ihn eher Arbeit.

Fazit

Excel ist nicht das Problem – der Zeitverzug ist es. Sobald Sie erst nach der Baustelle wissen, ob sie sich gerechnet hat, kostet jede Woche Geld. Eine Baustellensoftware für den GaLaBau zahlt sich nicht durch schönere Listen aus, sondern dadurch, dass Sie am Mittwoch eingreifen können statt im Oktober zu staunen.

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