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    GaLaBau-Wissen · Kalkulation

    Nachkalkulation im GaLaBau: Warum Ihr bester Auftrag heimlich Verlust macht

    MR
    Fabian Wegener
    Dipl.-Betriebswirt · Baubetriebswirt mit Schwerpunkt Kalkulation
    ·7 Min. Lesezeit

    Kennen Sie diesen Moment? Die Baustelle ist fertig, das Pflaster liegt sauber in der Sonne, der Kunde drückt Ihnen die Hand: „Top gemacht." Sie fahren zufrieden vom Hof. Auf dem Angebot stand ein ordentlicher Gewinn – und trotzdem bleibt am Monatsende weniger übrig, als Sie erwartet haben.

    Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie in guter Gesellschaft. Genau hier liegt der blinde Fleck fast jedes GaLaBau-Betriebs. Und er hat einen Namen: die fehlende Nachkalkulation.

    Das Angebot zeigt nur den Plan – nicht die Wahrheit

    Jedes Angebot ist eine Vorhersage. Sie schätzen, wie lange etwas dauert, was das Material kostet, wie viele Leute Sie brauchen. Das ist die Vorkalkulation – Ihr Plan.

    Was auf der Baustelle dann wirklich passiert, ist oft eine andere Geschichte. Es regnet zwei Tage. Der Untergrund ist schlechter als gedacht. Einer fällt krank aus. Am Ende haben Sie mehr Stunden gebraucht – und das merken Sie meist erst, wenn es längst zu spät ist. Die Nachkalkulation vergleicht beides: Plan (Soll) gegen Wirklichkeit (Ist). Sie ist der Kassensturz nach dem Auftrag.

    Ein Beispiel, das ein bisschen wehtut

    Nehmen wir eine ganz normale Pflasterbaustelle. Im Angebot standen 120 Arbeitsstunden. Am Ende waren es 145. Nur 25 Stunden mehr – klingt harmlos, oder? Schauen Sie, was das mit Ihrem Gewinn macht:

    1 · DER PLAN (SOLL)
    Angebotssumme netto
    11.000 €
    − Lohn 120 h × 45 €
    5.400 €
    − Material
    3.000 €
    Soll-Gewinn2.600 €
    2 · DIE REALITÄT (IST)
    Angebotssumme netto
    11.000 €
    − Lohn 145 h × 45 €
    6.525 €
    − Material
    3.200 €
    Ist-Gewinn1.275 €
    Abweichung: − 1.325 €
    3 · MIT NACHTRAG
    + Nachtrag 25 h × 55 €
    12.375 €
    − Lohn 145 h × 45 €
    6.525 €
    − Material
    3.200 €
    Gewinn gerettet2.650 €
    sogar über dem Plan

    Schauen Sie auf die mittlere Spalte: Aus 2.600 € geplantem Gewinn sind 1.275 € geworden – über die Hälfte weg. Und dabei hat niemand geschlampt, es waren einfach 25 Stunden, die im Angebot niemand auf dem Schirm hatte.

    Und jetzt das dritte Szenario. Wären dieselben 25 Stunden dem Kunden als Nachtrag in Rechnung gestellt worden, stünde am Ende sogar mehr auf dem Konto als ursprünglich geplant. Der Unterschied zwischen 1.275 € und 2.650 € ist keine Frage von schnellerem Arbeiten – es ist eine Frage von sauberer Erfassung und Abrechnung.

    Ihre teuersten Aufträge sind oft genau die, die auf dem Papier am besten aussahen.

    Woran es fast immer liegt

    Wenn Soll und Ist auseinanderlaufen, sind meistens dieselben Verdächtigen im Spiel:

    • Die Stunden waren zu knapp geschätzt – der Klassiker.
    • Es gab Mehrarbeit, die niemand als Nachtrag abgerechnet hat.
    • Die Materialpreise sind seit der Kalkulation gestiegen.
    • Fahrten, Rüstzeiten und Leerlauf tauchen nirgendwo auf.

    Keiner dieser Punkte ist böse Absicht. Sie passieren einfach – und ohne Nachkalkulation bleiben sie unsichtbar. Jahr für Jahr.

    Und jede dieser Mehrstunden kostet Sie gleich doppelt. Einmal, weil Sie den Lohn dafür zahlen, obwohl der Kunde ihn nicht bezahlt hat. Und ein zweites Mal, weil derselbe Mann in dieser Zeit nicht auf der nächsten Baustelle Geld verdienen konnte. Eine verschenkte Stunde ist also nicht nur ein Loch in der Kasse – sie ist auch ein entgangener Gewinn, den Sie nie zu Gesicht bekommen.

    Nicht erst am Ende rechnen

    Ein weit verbreiteter Denkfehler: Die meisten rechnen erst nach, wenn die Schlussrechnung längst beim Kunden liegt. Dann wissen Sie zwar, dass es schiefgelaufen ist – ändern können Sie nichts mehr. Die Nachkalkulation ist in diesem Fall eine Art Obduktion: aufschlussreich, aber der Patient ist tot.

    Viel mächtiger ist die mitlaufende Nachkalkulation. Dabei schauen Sie schon während der Baustelle, ob Sie im Plan liegen. Sind nach der Hälfte der geplanten Zeit bereits 70 Prozent der Stunden verbraucht, ist das ein Alarm – und Sie können reagieren, solange es noch etwas zu retten gibt: das Team anders aufstellen, mit dem Kunden über einen Nachtrag sprechen, Abläufe straffen. So wird aus der Nachkalkulation ein Frühwarnsystem statt einer Grabrede.

    Die gute Nachricht

    Die Nachkalkulation ist keine Bestrafung. Sie ist eine Schatzkarte für Ihr nächstes Angebot. Denn sobald Sie einmal schwarz auf grün sehen, dass Pflastern bei Ihnen nicht 0,7, sondern 0,8 Stunden pro Quadratmeter dauert, kalkulieren Sie das nächste Mal richtig. Ihre Angebote werden von Baustelle zu Baustelle genauer – und Ihr Gewinn planbarer.

    Mit der Zeit entsteht dabei etwas sehr Wertvolles: Ihre eigene Erfahrungs-Datenbank. Nach zwanzig nachkalkulierten Pflasterbaustellen wissen Sie ziemlich genau, wie lange ein Quadratmeter bei Ihrem Team, mit Ihren Maschinen, auf Ihren typischen Böden wirklich dauert. Diese Aufwandswerte sind bares Geld wert – denn sie machen aus dem Schätzen ein Rechnen.

    Und genau das ist der eigentliche Sinn der ganzen Übung: Die Nachkalkulation von heute ist die treffsichere Vorkalkulation von morgen. Fachleute nennen diesen Kreislauf den Kalkulationsregelkreis – Plan, Wirklichkeit, Korrektur, besserer Plan. Wer ihn einmal in Gang gebracht hat, kalkuliert nicht mehr aus dem Bauch, sondern aus Erfahrung. Und das ist der Unterschied zwischen einem Betrieb, der viel zu tun hat, und einem, der am Jahresende auch etwas übrig hat.

    Faustregel: Eine kleine Abweichung ist völlig normal. Aber wenn Sie bei einer Leistung immer wieder 10 % danebenliegen, ist das kein Pech mehr, sondern ein Signal. Dann gehört an den Aufwandswerten oder am Preis gedreht.

    So fangen Sie an – noch diese Woche

    Sie brauchen dafür keine Excel-Wissenschaft. Drei Dinge reichen:

    • Echte Stunden pro Baustelle festhalten – nicht geschätzt, sondern gestempelt.
    • Tatsächliche Materialkosten sammeln.
    • Am Ende beides dem Angebot gegenüberstellen.

    Der schwierigste Teil ist der erste Punkt. Und genau daran scheitern die meisten – weil Stundenzettel auf der Baustelle liegen bleiben, im Auto verschwinden oder erst zwei Wochen später aus der Erinnerung „rekonstruiert" werden.

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    Jede Stunde, die Ihr Team auf der Baustelle stempelt, und jeder Materialbeleg fließen automatisch in den Soll-Ist-Vergleich. Sie sehen nach jedem Auftrag den echten Gewinn – ohne einen einzigen Stundenzettel abzutippen.

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