GaLaBau-Wissen · Fachkräftemangel

    Fachkräftemangel im GaLaBau: Was die Zahlen 2026 wirklich zeigen

    Stell dir einen Betriebsleiter aus Niedersachsen vor: Er könnte locker doppelt so viele Aufträge annehmen, wenn er nur die Leute dafür hätte. Genau so einen Satz höre ich in der Branche gerade ständig – in unterschiedlichen Varianten, von unterschiedlichen Betrieben. Also habe ich mir angeschaut, wie groß das Problem tatsächlich ist – mit echten Zahlen statt Bauchgefühl.

    Die Branche wächst – die Belegschaft kaum

    Der Bundesverband GaLaBau (BGL) hat für 2025 einen Branchenumsatz von 11 Milliarden Euro gemeldet – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (10,65 Milliarden Euro). Fast 20.000 Betriebe (19.898) sind in Deutschland aktiv, der Privatgarten bleibt mit 6,32 Milliarden Euro der größte Auftragsbereich.

    Doch die Beschäftigtenzahl ist im selben Zeitraum kaum mitgewachsen: 131.746 Menschen arbeiteten 2025 in GaLaBau-Betrieben, im Vorjahr waren es 131.166 – ein Plus von gerade einmal 580 Personen. Mehr Umsatz, mehr Aufträge, aber praktisch dieselbe Anzahl Hände, die sie umsetzen. Genau diese Lücke ist es, die viele Betriebsleiter im GaLaBau jeden Tag zu spüren bekommen.

    Auf der Ausbildungsseite sieht es nicht viel besser aus: 8.089 junge Menschen lernen aktuell den Beruf Landschaftsgärtner/-in – eine Zahl, die den Ersatzbedarf einer fast 132.000 Köpfe zählenden Branche kaum decken kann, wenn gleichzeitig ältere Kolleginnen und Kollegen in Rente gehen.

    Branchenzahlen GaLaBau 2024 und 2025 im Überblick

    Kennzahl20242025Veränderung
    Branchenumsatz (nominal)10,65 Mrd. €11,11 Mrd. €+0,46 Mrd. € (rund +4,3 %)
    Betriebe19.63619.898+262
    Beschäftigte131.166131.746+580 (rund +0,4 %)
    Auszubildende8.0048.089+85

    Quelle: BGL-Branchenstatistik. Der Umsatz wuchs damit rund zehnmal so stark wie die Zahl der Beschäftigten.

    Das GaLaBau-Problem ist Teil eines größeren Handwerk-Problems

    Zoomt man raus, wird klar: GaLaBau steht damit nicht allein da. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) beim IW Köln konnten 2024 rechnerisch rund 107.700 offene Stellen im gesamten Handwerk nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geht sogar von über 200.000 unbesetzten Stellen aus – viele Betriebe melden ihre Vakanzen gar nicht erst, weil sie wissen, dass ohnehin niemand kommt.

    Auch bei der Ausbildung klafft eine Lücke: Laut ZDH blieben 2024 rund 19.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt, bei etwa 135.000 neu abgeschlossenen Verträgen. Das Problem ist dabei nicht ein Mangel an Plätzen, sondern ein Mangel an Bewerbern. Laut KOFA/IW Köln bleibt eine offene Stelle im Handwerk im Schnitt 173 Tage unbesetzt – fast sechs Monate, in denen jemand fehlt.

    Und es wird laut Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eher enger als lockerer: Ohne Zuwanderung sinkt das deutsche Erwerbspersonenpotenzial bis 2035 um rund 7 Millionen Menschen. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten Jahren in Rente, zu wenig Nachwuchs rückt nach.

    Was das im Alltag eines Betriebs bedeutet

    Auf dem Papier sind das abstrakte Zahlen. Im Alltag bedeuten sie: Aufträge, die man ablehnen muss, obwohl man sie gerne annehmen würde. Kolonnen, die am Limit fahren, weil eine kranke oder ausgeschiedene Fachkraft nicht kurzfristig zu ersetzen ist. Vorarbeiter, die zusätzlich noch die Arbeit erledigen, für die eigentlich ein zweiter Facharbeiter da sein müsste. Und Inhaber, die selbst wieder auf die Baustelle fahren, weil sonst niemand da ist – und dafür an anderer Stelle Zeit für Kalkulation, Angebote oder Nachkalkulation fehlt.

    Das ist auch der Grund, warum ich bei Kireon inzwischen fast genauso viel über Personalbindung rede wie über Software. Ein Betrieb, der seine drei besten Facharbeiter verliert, weil die Verwaltung drumherum stresst oder die Wertschätzung fehlt, hat ein größeres Problem als einer, der eine offene Stelle nicht besetzt bekommt.

    Was jetzt tatsächlich hilft

    Aus den Gesprächen mit Betrieben und aus den Zahlen ziehe ich drei Dinge, die tatsächlich etwas bringen – anders als der übliche Ratschlag "einfach mehr ausbilden":

    • Bindung vor Rekrutierung. Eine bestehende Fachkraft zu halten ist günstiger und schneller als eine neue zu finden – bei 173 Tagen durchschnittlicher Vakanzzeit rechnet sich jede Investition in Zufriedenheit und klare Strukturen fast immer.
    • Vorhandene Zeit besser nutzen. Wenn sich die Zahl der Fachkräfte kurzfristig nicht erhöhen lässt, bleibt nur, ihre Zeit produktiver einzusetzen – weniger Leerlauf durch schlechte Disposition, weniger Doppelarbeit bei Zeiterfassung und Dokumentation.
    • Ehrlich kalkulieren, was ein Auftrag wirklich braucht. Wer weiß, wie viele Fachkraft-Stunden ein Auftrag realistisch kostet, sagt lieber rechtzeitig Nein zu einem Projekt, als es mit zu wenig Personal zu stemmen und am Ende beide zu verlieren – die Baustelle und die Mitarbeiter, die daran verbrennen.

    Keine dieser drei Maßnahmen löst den Fachkräftemangel. Aber sie machen den Unterschied, ob ein Betrieb mit 15 Leuten wächst oder mit 15 Leuten ausbrennt.

    Vielleicht sollte sich mancher Betrieb also gar nicht zuerst fragen, wie er an mehr Personal kommt, sondern wie er seine bestehenden Leute besser einteilen kann. Vielleicht ist das die ehrlichere Frage.

    Häufige Fragen

    Wie viele Beschäftigte hat der GaLaBau in Deutschland?

    Laut BGL-Branchenstatistik waren 2025 rund 131.746 Menschen im Garten- und Landschaftsbau beschäftigt, nach 131.166 im Jahr 2024. Der Branchenumsatz lag bei 11,11 Milliarden Euro, verteilt auf 19.898 Betriebe.

    Wächst der GaLaBau trotz Fachkräftemangel?

    Beim Umsatz ja: Er stieg 2025 um rund 4,3 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten wuchs dagegen nur um etwa 0,4 Prozent. Die Betriebe erwirtschaften also mehr Umsatz mit kaum mehr Personal.

    Was können GaLaBau-Betriebe gegen den Fachkräftemangel tun?

    Drei Hebel sind am wichtigsten: vorhandene Fachkräfte binden, die vorhandene Arbeitszeit besser einsetzen, zum Beispiel durch weniger Leerlauf und weniger Papierkram, und Aufträge realistisch kalkulieren, damit der Betrieb nicht dauerhaft mit zu wenig Personal arbeitet.

    Quellen

    BGL: Branchenstatistik Garten- und Landschaftsbau 2025
    BGL-Statistik 2025: "Grüne Branche boomt – was die Regierung jetzt tun muss" (bau.bi, 27.02.2026, aktualisiert 26.08.2026)
    KOFA (IW Köln) / ZDH / IAB, zitiert nach "Fachkräftemangel im Handwerk 2026: Zahlen, Ursachen, Lösungen" (heylead.de)

    Hinweis: Zahlen in diesem Artikel ohne Quellenangabe sind Annahmen bzw. Beispielrechnungen und keine erhobenen Durchschnittswerte. Ermitteln Sie die Werte für Ihren Betrieb aus den eigenen Zahlen.