Stundensatz im GaLaBau: Warum 22 Euro Lohn Sie 55 Euro kosten

Autor: Fabian Wegener · 2026-03-15

GaLaBau-Wissen · Kalkulation

Stundensatz im GaLaBau:
Warum 22 Euro Lohn Sie 55 Euro kosten

Ihr Facharbeiter kostet 22 Euro die Stunde? Schön wäre es. In Wahrheit muss seine Stunde über 50 Euro einbringen – sonst legen Sie bei jedem Auftrag drauf. Hier ist der Grund.

Der teuerste Denkfehler der Branche

Viele rechnen mit dem Bruttolohn. Klingt logisch: Der Mann kostet 22 €, also kalkuliere ich 22 € plus ein bisschen was drauf. Genau hier verlieren die meisten Betriebe still und leise ihr Geld – denn der Lohn ist nur die Spitze des Eisbergs.

Bauen Sie den Satz stattdessen von unten auf. Und rechnen Sie es einmal für jede Rolle in Ihrer Kolonne durch:

RECHENWEG kireon Verrechnungssatz nach Rolle Vom Bruttolohn zum kostendeckenden Stundensatz. 1 AZUBI / HELFER Bruttolohn 12,00 €/h + Neben- & Gemeinkosten, Gewinn 17,70 €/h Verrechnungssatz 29,70 €/h 2 FACHARBEITER Bruttolohn 22,00 €/h + Neben- & Gemeinkosten, Gewinn 32,45 €/h Verrechnungssatz 54,45 €/h 3 VORARBEITER / KOLONNENFÜHRER Bruttolohn 28,00 €/h + Neben- & Gemeinkosten, Gewinn 41,30 €/h Verrechnungssatz 69,30 €/h Faktor rund 1,8 (Arbeitgeberkosten) × 1,375 (Gemeinkosten & Gewinn).

Derselbe Rechenweg, drei Ergebnisse. Der Azubi liegt bei rund 30 €, der Facharbeiter bei 55 €, der Vorarbeiter bei knapp 70 € – jeweils Verrechnungssatz, nicht Lohn. Wer für alle denselben Satz nimmt, verschenkt beim Vorarbeiter Geld und verkauft den Azubi zu teuer.

Warum aus 22 Euro über 54 werden

Die Lohnnebenkosten (Sozialversicherung, Urlaub, Krankheit, Feiertage, Weihnachtsgeld) schlagen mit rund 70 bis 90 Prozent obendrauf. Dieses Geld fließt, ob jemand auf der Baustelle steht oder nicht.

Die Gemeinkosten kommen dazu: Büro, Versicherung, Fahrzeuge, Werkstatt, Geschäftsführung. Auch die müssen mitverdient werden – über einen Zuschlag auf jede verrechnete Stunde. Und ganz am Ende steht der Gewinn. Ohne ihn arbeiten Sie zwar viel, aber für nichts.

Ein Mitarbeiter kostet Sie nicht seinen Lohn. Er kostet Sie seinen Lohn – plus alles, was drumherum passiert.

Die versteckte Stundenfalle

Der zweite große Fehler steckt im Nenner. Von rund 1.650 bezahlten Stunden im Jahr sind oft nur 1.400 bis 1.500 wirklich verrechenbar. Regen, Werkstatt, Fahrten, Rüstzeiten und Betriebsversammlungen fressen den Rest.

Wer seine Kosten auf zu viele Stunden verteilt, bekommt einen zu niedrigen Satz – und wundert sich später über die rote Null. Je weniger produktive Stunden Sie ehrlich ansetzen, desto höher muss der Satz sein.

So kommen Sie an Ihren echten Satz

  • Arbeitgeberkosten je Stunde ermitteln (Lohn × rund 1,8).
  • Produktive Stunden ehrlich schätzen – lieber knapp als optimistisch.
  • Gemeinkosten als Zuschlag draufrechnen.
  • Gewinn nicht vergessen – er ist keine Option, sondern Pflicht.

Und dann bitte einmal im Jahr prüfen. Löhne und Kosten steigen schneller, als man denkt – ein zu niedriger Satz frisst sich sonst unbemerkt durch jeden einzelnen Auftrag.

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